RCV211 - SC57 Hymne an die große Liebe

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  • Also vorab, ich mag die SC57, ein gutes Moped.
    Aber von der gewollten optischen Ähnlichkeit mal abgesehen haben SC57 und RCV nur noch die 2 Räder gemeinsam.
    Eines Tages glaubte ein Koyote entdeckt zu haben, dass er nur lange genug heulen müsse um den Vollmond zu besiegen.... (keine alte Indianerweisheit sondern eher eine Erkenntniss des internet-Zeitalters)
  • ...och ja - ein paar "winzige" Unterschiede gibt es schon...

    - aus meinem (Moped-Zeitschriften-)Archiv:

    Honda RCV211: Mein Freund, die Angst
    Einziger Schönheitsfehler: Dieses Motorrad wurde heuer nicht Moto-GP-Weltmeister. Trotzdem war das eines jener Erlebnisse, die man sein ganzes Leben nicht vergisst.

    Plötzlich war ich mir nicht mehr so sicher, es cool zu finden, dass jemand den Schwierigkeitsgrad in meinem Leben so dramatisch raufgedreht hatte: von Amateurmodus direkt in die Weltklasse, und keine Reserven, um irgendwelche Fehler abzufangen. Kein Scherz und auch kein Spiel. Keine Vorbereitung, kein Briefing, kein prophylaktisches Geflippe irgendwelcher Vorstandstypen. Drei Mechaniker in Honda-Pullovern: Hier du, dort das Bike, fahr einfach. 145 Kilo, 250 PS, das echte Rennmotorrad des Honda-Werksteams. ln fünf Runden sehen wir dich wieder.

    Wie normal sie mit dem Wahnsinn umgehen! Dle Anspannung ist so groß, dass sie längst körperliche Reaktionen zeigt.
    So wenig Gesichtsfarbe hab ich sonst nur vor einem Wettkampf. Weiche Knie sowieso. Und Kopfweh, weil ich seit dem Aufstehen die Ohren mit den Zwischenohrmuskeln nach hinten ziehe, ein Tick, wenn ich nervös bin. Aber diesmal ist es mehr. Ganz fürchterliche Angst. Eigentlich bewahren mich nur das Rennleder und der Wille, mich nicht zu blamieren, vor dem Zusammenklappen. Die netten Kollegen würden das nie zeigen, aber im inneren, schätze ich, wird es ihnen ähnlich gehen. Es muss schon einen Grund haben, warum sie alle so erleichtert ausschauen nach dem Absteigen. Wir sind eine rare, kleine Gruppe von Auserwählten, die XXXXX ist das einzige eingeladene Magazin. Ob es da nur keinen Schrott gibt.

    Ein paar von uns können's wirklich und lassen sich das Gespürte dann eben von Ghostwritern ausarbeiten, zum Beispiel Randy Mamola, im Dienste eines spanischen Magazins vor Ort.

    Das Starten der RCV klingt wie ein Rasenmäher. Ein schnöder Viertaktmotor, wie er zwischen lndoor-Kart und Schneefräse überall vorkommt, ist auf einem Eisengestell montiert, er treibt eine Gummiwalze an, die an das Hinterrad der Honda gehalten wird.

    Knatter-knatter-knatter-knatter... und dann zerbirst die Welt vor Lärm.

    Wie kalte Eiszapfen sticht das Gebrüll des Viertakters Wunden ins Ohr, bloße Lautstärke amalgiert mit flimmernden Tiefen und kreischenden Obertönen zum reinen Schmerz. Zwei Mechaniker reißen die Heizdecken von den Reifen, dann runter vom Ständer, einmal einatmen noch, dann hockst du drauf. Keine Erklärung, keine Vorbereitung, kein Theater. lch bin völlig überrumpelt. Der Schaltautomat lässt den ersten Gang einrasten, und das Viech rollt mit mir obendrauf aus der Box.
    Zum Glück gibt es dunkel getönte Helmvisiere.

    Der gnädige Fahrtwind trägt die Auspuffgeräusche des Fünfzylinders mit seinen vier Rohren (zwei unter der Sitzbank, eins beim Schwingendrehpunkt, eins seitlich) nach hinten, somit ist ein Moto-GP-Bike zumindest als Fahrer akustisch zu überleben. Das Ansauggeräusch ist nicht einmal besonders laut. Du hockst auf dem Rücken eines Drachen, du reitest ihn. Keine Ahnung, was hinter dir geschieht. Keine Ahnung. lmmer an zwei Dinge denken: Das Schaltschema funktioniert verkehrt. Also: Erst nach oben, alle weiteren Gänge nachunten. Zurückschalten nach oben. Hochschalten nach unten. Zurück-oben. Hoch-unt... Nein, so geht das nicht. Du musst so locker bleiben, dass du vor den Kurven den leichteren Gang aufgaberlst, so merk ich mir das. Elegant wie ein
    Katalane, wie Alex Crivillé, dem das Bike mit der Startnummer 4 gehört. Auf der Geraden darfst du sie treten, damit sie schneller wird. Eselsbrücken müssen trittfest sein.

    Und einmal checken, wie die Bremsen tun. Sie tun erstaunlich schlecht. jede moderne Sechshunderter kann das besser, nicht nur in der Dosierbarkeit, sondern sogar in der Wirkung. Das bedeutet nichts anderes als: lch bin zu langsam. Die Carbon-Bremsscheiben sind nicht auf Temperatur. Doch um die Dinger zum Arbeiten zu kriegen, brauchst du erst einmal Geschwindigkeit, die sie dann vernichten dürfen. Ganz, ganz vorsichtig drehe ich am rechten Griff.

    Was jetzt passiert, ist unerhört. So muss sich ein Space-Shuttle-Cabrio anfühlen. Es reißt an, wie noch nichts in der Welt angerissen hat, obwohl ich das Gas ganz langsam öffne. Einundzwanzig-zweiundzwanzig-dreiundzwanzigvierundzwanzigzählen bis zum Anschlag. Jegliche Hast führt zum Wheelie, und zwar noch im vierten Gang,wahrscheinlich noch im fünften. Aber den werde ich nicht brauchen in Jerez, wo die Start-Ziel-Gerade für mich genau sechs Sekunden lang ist.

    Allein die Beschleunigung ist unvorstellbar, dass das Hinterrad dank einer ausgeklügelten Traktionskontrolle nicht durchdreht, fällt mir erst im Nachhinein auf, so fixiert bin ich auf die Kraft der Beschleunigung. (Wahrscheinlich haben die Mechaniker das Regen-Mapping für sanfte Beschleunigung eingelesen, diese Engel.) Noch am Bike fällt mir ein, dass ich jetzt nie wieder werden schreiben können, dass irgendwas gut geht, nicht nach diesem Erlebnis. Es wäre gelogen. Das hier, das geht gut, das ist die Essenz der Beschleunigung. Wäre der erste Gang nicht so elendslang übersetzt, es würde dich ansatzlos nach hinten überschlagen.
    Über den gesamten Drehzahlverlauf lässt die Wucht nicht nach, egal, wann und wo du mit der Kurve fertig bist und den Wunsch nach Beschleunigung äußerst, du wirst immer mit einem tiefen, dicken, brüllenden Monster verhandeln. Nie hysterisch, doch immer brutal und bereit, dir auf die Pratzen zu dreschen, wenn du auch nur einen Moment lang unaufmerksam bist. Dass das Fahrwerk brillant sein muss, spürt sogar ein Fremdling. Zusammen mit den Michelin-Slicks impft es dir Selbstvertrauen ein, als ob du schon dein Leben lang Honda RCV211 geritten wärst.


    Das hält, verlass dich drauf. Keine Angst, du könntest irgendwann mit den Fußrastern aufsetzen und ausgehebelt werden, dafür sind sie viel zu hoch montiert. lm Gegenzug darfst du dir auch keine Wunder beim Platzangebot erwarten, meine1 ,88 Meter sind definitiv zu viel. lch meine: So arg, wie auf einer 250er ist es nicht (zum Aufwärmen durften wir einen Turn mit Dani Pedrosas winziger 250-er-Zweilakter fahren, da bohrt sich beim Hang-Off die Ferse in den Hintern), aber dass du den Helm unter die Verkleidung oder auch nur die Ellbogen an den Rumpf bringst, davon darfst du nicht einmal träumen. Und was noch dazu kommt: Jegliche Gewichtsverlagerung am Motorrad wirkt sich viel unmittelbarer und ungefilterter aus, als du es von vergleichsweise behäbigen und federwegsatten Serienbikes gewöhnt bist.

    Schnelle Kurven, langsame Kurven, es geht alles tief am Knie, das Monster tut so, als ob es zutraulich wäre. Was natürlich eine Finte ist, denn würdest du übermütig, es häutete dich noch in der Sekunde. ln den nächsten Runden führe ich hochwach den Dialog mit einer Bestie, immer gefasst auf eine Überraschung. Einmal traue ich mich sogar für einen kurzen Moment, absolut Vollgas zu geben, meine Zehntelsekunde für die Ewigkeit: lch habe auf einem Moto-Gp-Bike
    Vollgas gegeben, amen. lch werde immer was zu erzählen haben in finsteren Nächten. Mehr kann nicht mehr kommen, besser als jetzt wird es nie wieder. ln der Auslaufrunde muss ich fast heulen unterm Helm, weil die Eindrücke im Hirn zusammenschwappen. Man hatte mich
    mit einem Monster äußerln geschickt, und ich habe uns beide wohlbehalten heimgebracht. lch bin ein verdammter Gott, jawohl. Und ich habe den besten Job der Welt.
    Gefährlich wird es, wenn die Dummen anfangen, fleißig zu werden...

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  • ...der Triendl, Fritz - isess net. Der hat versucht die RCV211 vom Rossi "herzubrennen". Der Autor dieser Story hat sich auf die vom Crivillé getraut...:

    Alex Crivillé zur Moto-GP-Legende ernannt...

    Ich wollt'das Heft schon gemeinsam mit vielen anderen beim jährlichen Ausmisten wegwerfen...

    Hach - noch'n Bildchen vergessen:



    ..schönes "W"---
    Gefährlich wird es, wenn die Dummen anfangen, fleißig zu werden...

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