Yamaha R1 Modell 2018 Rennstreckenbericht

  • Yamaha R1

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Yamaha R1 Modell 2018 Rennstreckenbericht

    Yamaha YZF R1 RN49 Modell 2018


    Hallo Leute,

    auch wenn das hier ein Fireblade-Forum ist, möchte ich gerne über mein erstes Renn-Wochenende mit der „neuen“ Yamaha R1 aus dem Modelljahr 2018 berichten.

    Erstmal grob die Eckdaten laut Hersteller:


    998 ccm
    4 Zylinder Reihe
    Crossplane (Big-Bang)
    147,1 KW bei 13.500 U/min
    112,4 NM bei 11.500 U/min
    200 Kg fahrfertig, vollgetankt
    Euro 4
    18.995,- Euro Listenpreis

    Assistenzsysteme:

    Kombi-Bremsanlage mit Schräglagen-ABS
    Einstellbare Power-Modi (1 = Race / 2 = Race / 3 =Street / 4 = Rain)
    Traction-Control (Stufen: Aus, 1-9)
    Slide-Control (Stufen: Aus, 1-3)
    Wheelie-Control (Stufen: Aus, 1-2)
    Launch-Control (Stufen: Aus, 1-2)
    Quickshifter (Stufen: Aus, 1-2)
    Blipper (Stufen: Aus, Ein)

    Für mich als Hobby-Racer hätte die Liste allerdings ruhig noch ein klein wenig länger sein können. So hätte ich mir z.B. eine einstellbare Motorbremse gewünscht und die Möglichkeit, auf ein „homologationsfreies“ Race-Mapping umschalten zu können. Ebenso würde der R1 ein abschaltbares ABS à la Aprilia gut stehen. Auch, wenn ich selber sogar auf der Renne lieber mit ABS unterwegs bin. Zumindest, wenn es ein auf „Race“ ausgelegtes ABS wie bei der R1 ist.

    Wie der ein oder andere hier weiß, bin ich die Saisons 2016 und 2017 schon mit der R1 RN32 des Modelljahres 2015 ausgiebig auf der Renne unterwegs gewesen.
    Äußerlich sieht die 2018er R1 zwar genau so aus wie die 2015er, aber die „inneren Werte“ haben sich verändert.

    Die Kurbelwelle bekam eine neue Axialschmierung und es wurden doppelte Ventilfedern verbaut. Neben dem vorher bereits vorhandenen Quickshifter zum kupplungslosen Heraufschalten, wurde bei der 2018er nun endlich auch die langersehnte Blipper-Funktion zum ebenfalls kupplungslosen Herunterschalten verbaut. Außerdem versprach Yamaha eine neue, optimierte Software. So so, dachte ich …. und war angesichts der einzuhaltenden Euro-4-Norm eher skeptisch, ob es sich tatsächlich um „Optimierungen“ handeln würde.

    Das war eh‘ die spannendste Frage, die mich im Vorfeld beschäftigte.

    Bei meiner 2015er R1 hatte ich einen ECU-Flash machen lassen. Kennfelder wurden optimiert, sämtliche Homologationsdrosseln entfernt und der sog. Fuel-Cut wurde deaktiviert, was zur Reduzierung der Motorbremse und der Lastwechsel beitrug. Leistungsmäßig war meine alte R1 auf der Renne absolut eine Macht. Die Zahlen auf dem Papier hatte ich nie feststellen lassen. Aber zahlreiche, gewonnene Beschleunigungsduelle auf der Renne sagen mehr, als bedrucktes Papier.

    Zurück zur 2018er R1.

    Meine neue R1 wurde Ende März geliefert. An zwei Wochenenden fuhr ich sie knapp 1.000 Km auf derStraße ein. Bereits in der Einfahrphase spürte ich die von Yamaha versprochene „Optimierung der Software“. Und zwar im positiven Sinne. Die Lastwechsel fielen deutlich geringer aus, als beim Vorgänger. Ich konnte sogar in der aggressiven Power-Stufe1 (Race), bei der die Drosselklappen gleichmäßig und parallel zur Gasgriff-Drehbewegung öffnen, ruckelfrei durch Ortschaften gleiten. Das war bei der alten RN32 nahezu unmöglich. Und der Blipper …. ein Gedicht.

    Gegen Ende der Einfahrphase ließ ich dann auch schon mal alle Pferde von der Leine und war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Das Schreckgespenst Euro 4 hatte sich schlagartig verflüchtigt. Zumindest auf der Straße waren keine Defizite erkennbar. Und auch soundtechnisch wurde am laufenden Band Gänsehaut verursacht.

    Rechtzeitig vor Brünn folgte die vorgeschriebene 1.000er Inspektion und der Umbau auf „Renne“. Da ich noch die komplette Straßenverkleidung meiner alten R1 im Keller liegen hatte, sparte ich mir das Geld für eine Rennverkleidung. Ein Lacksatz für eine R1 wird inzwischen für ca. 600,- Euro im Netz gehandelt. Eine lackierte Rennverkleidung kostet über 1.000,- Euro. So ändern sich die Zeiten.

    Spiegel, Beleuchtung, Kennzeichenträger und Soziusrasten sind bei der R1 super schnell zu demontieren. Puig-Scheibe, V-Trek Hebel, Bremshebelschutz, Schalthebel von PP und Lightech Kettenspanner hatte ich bereits von Anfang an montiert. Noch TRW CRQ Bremsbeläge rein, den Akra Slip-on Endtopf drauf, Slicks aufziehen lassen und ein paar Racing-Aufkleber…. fertig.

    Im Grunde also fast 100% Stock.

    Original-Motor
    Original Mapping
    Original Kat/Vorschalldämpfer
    Original Übersetzung
    Original Fahrwerk mit Standard-Einstellung laut Betriebsanleitung

    Jetzt endlich zum Fahrbericht auf der Renne:

    Vom 13.-15. April konnte ich die R1 ausgiebig auf der Rennstrecke in Brünn testen. Obwohl sieben Monate seit meinem letzten Mal auf der Rennstrecke vergangen waren, fühlte ich mich gleich wieder wohl auf der R1. Ergonomisch hatte sich ja auch nichts verändert. Alles passte auf Anhieb wieder.

    Das Fahrwerk:

    Ja, ich werde oft auf der Renne belächelt, weil ich nicht nur das Original-Fahrwerk, sondern dieses auch noch in der von Yamaha empfohlenen Standard-Einstellung laut Betriebsanleitung fahre. Ich kann ja auch nichts dafür, aber …. es funktioniert. Kein Shattering, kein Pumpen, Pendeln oder sonst irgendwelche Probleme. Die R1 liegt in allen Lagen satt auf dem Asphalt, lenkt willig ein und macht den Hinterreifen nicht kaputt.

    Die Bremse:

    In Sachen „Bremse“ muss ich vorweg schicken, dass ich kein Spätbremser bin. Ganz im Gegenteil. Ich bremse nach wie vor viel zu früh und verschenke dadurch oft wertvolle Meter. Das mag mit ein Grund sein, warum ich an der Bremse der R1 absolut nichts auszusetzen habe. Vielleicht ist sie aber auch einfach nur sehr gut. Die wenigen Male, in denen ich wirklich zu spät dran war und auf dem letzten Stück Asphalt einfach nur noch so viel wie möglich verzögern wollte, bevor das Kiesbett kommt, hat sie jedes Mal so gut funktioniert, dass ich wider Erwarten doch nicht in die Botanik musste.

    Kleine Einschränkung würde ich bei der Fußbremse machen. Das Hinterrad wird auch bei Betätigung des Handbremshebels mitgebremst. Das ist auch in Ordnung und völlig problemlos. Auch wenn man tief in die Kurve hineinbremst. Wenn man jedoch aktiv mit dem Fuß ebenfalls bremst, keilt die R1 mit dem Heck schon mal ordentlich aus. Das hat die RN32 auch schon gemacht. Wahrscheinlich dem kurzen Radstand geschuldet. Solange man noch in der Geradeaus-Fahrt ist, kein Problem. Aber spätestens beim Einlenken sollte der Fuß vom Pedal weggenommen und nur noch mit der Hand gebremst werden. Oder halt komplett immer nur mit der Hand bremsen. So bin ich die letzten 2 Jahre schon gefahren.

    Der Motor:

    Also Euro 4 hin oder her. Ich merke eigentlich kaum einen Unterschied zu meiner geflashten alten R1. Der Motor nimmt sauber Gas an, zieht ohne irgendwelche „Löcher“ sauber durch bis zum Begrenzer. Allerdings spielt sich auf der Renne das Meiste auch oberhalb von 8.000 U/min ab. Das berühmte Euro-4-Drehmomentloch liegt deutlich darunter.

    Brünn hat eine recht lange Start-/Ziel-Gerade. In der Beschleunigung hat mich keiner abgehängt. Es gab aber zwei, drei Momente, bei denen ich ansatzweise das Gefühl hatte, da könnte noch irgendwo ein kleiner Tick mehr Leistung schlummern.

    Zumindest in der Rundenzeit hat sich das aber nicht wieder gespiegelt. Meine Vorjahres-Bestzeit konnte ich um 1/10 auf eine 2:13,329 verbessern.

    Trotz Euro 4 ist die R1 nach wie vor ein Schluckspecht. Auf der Straße hatte ich schon einen Verbrauch von knapp über 7 Litern auf 100 Km. Auf der Renne nimmt sie sich schon mal 8 Liter V-Power Racing in einem 20-Minuten-Turn von weniger als 50 Kilometern.

    In diesem Sinne … Prost.

    Wer noch irgendwelche speziellen Fragen hat oder was wissen möchte, auf das ich nicht eingegangen bin, immer gerne.

    Anbei noch ein paar Bilder, die wie immer von den besten Motorsportfotografen der Welt kommen. Von RACEPIXX.DE

    Gruß
    OdenwäldeRR

    Mopsi Racing Team 2018:

    Hafeneger Cup, Klasse 1000ccm
    4-Std. Endurance Rennen Oschersleben 07./08. Juli

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von OdenwäldeRR ()

  • Toller Bericht :thumbup:

    2 Fragen:
    Was ist mit der RN32 passiert, dass Du davon noch die VK im Keller hattest ?(
    Deine 2018er ist keine M ?(

    gruss Andreas
    Wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.