Progressive Gabelfedern in SC59

  • Moin...


    werde meine Blade demnächst auseinandernehmen und werde ihr u.A. mal nen Gabelservice verpassen.
    Bei der Gelegenheit wollte ich gleich auf progressive Gabelfedern wechseln, da ich damit bislang immer gute Erfahrungen gemacht habe.


    Nur leider gibt's scheinbar keine? Weiß jemand warum? Ich finde die progressiven Wilbers eigentlich recht gut, bei den bisherigen Mopeds.
    Härtere müssen es ja auf jeden Fall werden, ich bringe wohl ein paar Kilos mehr mit als der durchschnittliche Honda-Kunde...


    Bin auf Eure Erfahrungen gespannt...

  • Wie viel Kilo bringst du denn auf die Waage? Hast du die Federvorspannung angepasst? Was erhoffst du dir von der Änderung? Was wurde hinten geändert? Einsatz auf der Landstraße und/oder Rennstrecke? Mit ein paar mehr Infos kann dir sicher besser geholfen werden.


    Ich habe meine Gabel überarbeiten lassen (auch für gelegentlichen Rennstreckeneinsatz), bin super zufrieden aber bei den original Federn geblieben (wiege 82 kg nackt).

  • Da wirst Du enttäuscht sein.
    Standard ist eine 10.2 Feder verbaut. Von Öhlins gibt es maximal eine 10.0 die zwar etwas feiner anspricht aber mehr auch nicht.
    Bei mir ist die Öhlins wieder ausgebaut (im Zuge der Gabelrevision) und ich fahre sehr gut mit der originalen.


    Progressive habe ich mal in meiner CB ausprobiert. Hat mir überhaupt nicht gefallen. Die Front fühlte sich immer beim anbremsen so schwammig an.


    Cuxman

  • Gewicht signifikant über 100,-kg. Nutzung ausschließlich Landstraße, im dynamischen Alltagsbetrieb auch mal auf Landstraßen fünfter Ordnung.


    Hierdurch erwünschte ich mir diverse Komfortreserven - Gabel ist schon mehrfach durchgeschlagen, deshalb wünsche ich mir halt die progressive Kennlinie.


    Hier gab es mal nen Link, wo man die Federn berechnen kann, da wurden Härtere empfohlen.


    Federbein ist ein Wilbers 643, da hab ich nix zu meckern.


    Evtl. hilft ja auch erstmal der Gabelservice weiter, incl. Wechsel der Gleitbuchsen...

  • Hast du den negativfederweg richtig eingestellt? Und wie ist die Druckstufe eingestellt?


    Eventuell würde eine Überarbeitung der Gabel mit Anpassung der Dämpfung Sinn machen. Hat bei mir eine Menge gebracht. Die Dämpfung ist im Resultat straffer, gleichzeitig ist das Ansprechverhalten aber besser geworden, so dass ich es insgesamt nicht als unkomfortabler bezeichnen würde. Hat 360 € gekostet, etwa das doppelte was ich für einen einfachen Gabelservice bezahlt hätte.

  • Bei der Gelegenheit wollte ich gleich auf progressive Gabelfedern wechseln, da ich damit bislang immer gute Erfahrungen gemacht habe. Nur leider gibt's scheinbar keine?


    Weiß jemand warum?

    Ich denke das liegt daran, dass sich in jeder der beiden der Cartridges der SC59 eine Top-Out-Feder befindet. Da wäre der progressive, weichere Anteil der Federwicklung wahrscheinlich zu schwach, um die Federkraft der Topout-Feder zu überwinden und damit den vollständigen Federweg zu ermöglichen. Beide Federn müssen daher aufeinander abgestimmt sein, soweit ich darüber gelesen habe. Da gibt's im R4F-Forum einen ellenlagen Thread dazu - oder zum Grundverständnis einfach googeln.


    Gewicht signifikant über 100,-kg. Nutzung ausschließlich Landstraße, im dynamischen Alltagsbetrieb auch mal auf Landstraßen fünfter Ordnung.


    Hierdurch erwünschte ich mir diverse Komfortreserven - Gabel ist schon mehrfach durchgeschlagen, deshalb wünsche ich mir halt die progressive Kennlinie.


    Die Progression wird maßgeblich von der Füllmenge des Öles, auch als Luftpolster bezeichnet, beeinflusst.


    Bei mir war das so:
    Mir hat die Gabel auch zu unsensibel angesprochen, weshalb ich auf dünneres Öl mit mehr Füllmenge (kleinerem Luftpolster) gewechselt habe.


    Anbei eine Übersicht der Viskositäten der verschieden Gabelöle bei 40°C: http://mahonkin.com/~milktree/…ight-script/oil-weight.pl im Durchschnittsbetrieb erreicht die Temperatur in der Gabel etwa 25°C.


    1cSt = 1mm²/sec


    Soweit ich das im Netz herausgefunden habe, verwendet Honda das Fork Oil SS47, das 35cSt@40°C haben soll und Federn mit ~10N/mm (die haben ja auch eine Fertigungstoleranz), und 93mm Luftpolster (das steht so im WHB).


    Öhlins empfiehlt bei Federn mit 9,5N/mm, das Öhlins Stoßdämpferöl 01309, das lt. Öhlins 19cSt@40°C hat, mit ebenfalls Luftpolster 93mm.


    Gewechselt habe ich auf Motul Fork Oil Factory Line Light (5W), das 18cSt@40°C hat, mit den originalen Federn und zunächst ebenfalls 93mm Luftpolster, was zwar ein super Ansprechverhalten hatte, aber zu wenig Füllmenge war, um mit meinen 75kg nicht voll in den Hydrostopbereich zu kommen. Im nächsten Schritt habe ich deshalb auf 85mm reduziert und infolge weitere 10ml nachgefüllt ... müssten jetzt also ~83mm sein. Jetzt komme ich auf der RS mit völlig geschlossener Druckstufe ins erste 1/3 des Hydrostopbereiches, was für mich fast O.K. ist. Ich werde bei Gelegenheit nochmal 10ml "nachspritzen", um an der Druckstufe wieder einen ordentlichen Verstellbereich zu haben. Das reicht für mittelschnelle Rundenzeiten und ist auch auf der Straße gut fahrbar, weil wegen des dünnen Öles Frostaufbrüche gut "weggeschluckt" werden und die Gabel andererseits aber nie auf Block geht. Darüberhinaus hat dünnes Öl den Vorteil, dass sich bei ändernder Temperatur die Viskosität nicht so stark ändert, wie bei dickerem Öl, weshalb das gleiche Set-Up über einen breiteren Temperaturbereich gefahren werden kann.


    An deiner Stelle würde ich auf jederzeit verfügbares, syntetisches Öl mit geringer Viskosität wechseln, gegebenenfalls das Motul Gabelöl Factory Line Light/Medium (7,5W) mit 24 cSt@40°C, und ebenfalls die Füllmenge anpassen (könnte mir vorstellen, dass 80mm ganz gut passen könnten). Das soll sich dann angeblich so verhalten, bzw. entspricht das auch meiner Wahrnehmung: https://monster1100evo.wordpre…3/29/wilbers-gabelfedern/


    Wobei das Ansprechverhalten, also das erste 1/3 des Federweges, durch das vergleichsweise dünnere Öl deutlich sensibler arbeitet, als mit dem originalen, dickeren Öl. Stell dir die Kurven also im Vergleich zum originalen Set-Up etwa 1/2 so steil vor.


    Ich hab' das kürzlich bei der RC8R eines Bekannten so gemacht. Allerdings bringt er 140kg auf die Waage, weshalb wir auch die Federn gewechselt haben. Da gab's nur von Hyperpro was annähernd passendes und nur progressiv - waren so 13N/mm beim linearen Teil der Feder, mit 10mm Überlänge, wodurch der progressive Anteil beim Einstellen der Federvorspannung ziehmlich eliminiert worden sein dürfte. Die Angabe des Lieferanten bez. des Luftpolsters war recht großzügig, mit 80 - 120mm Luftpolster angegeben. Deshalb hab' ich gleich mit 90mm begonnen, aber weil sich die Rundenzeiten verbessert haben, haben wir mittels Luftpolster weiter nachjustieren müssen, um zu verhindern, dass die Gabel auf Block geht. Werden jetzt so 80mm sein.


    Das ist jetzt vll. nicht "der Stein der Weisen", aber für jemanden, der sich die Gabel selbst servicieren kann, bietet diese Methode durchaus Potential zur Optimierung hinsichtlich Ansprechverhalten und dem Verhindern, dass die Gabel auf Block geht. Bis jetzt haben wir also 3 Parameter an denen wir drehen können. Da hält sich die Komplexität noch in überschaubaren Grenzen.


    Wer die 20mm des Hydrostopbereiches, der 120mm Federweg, mit gleichmäßigem Ansprechverhalten auch noch nutzen will - und nicht bloß 100mm und ein bissl, wird die Cartridge öffnen müssen, um die Shims anzupassen. Das sind Pakete mit etwa 10 Scheiben verschiedener Durchmesser und stärken. Da wird's jetzt einigermaßen unüberschaubar und ohne Erfahrungswerte traue ich mich da nicht ran. Jedenfalls kann man bei entsprechender Bestückung den Hydrostop durch Aufbohren eliminieren, oder "Stage2" in Auftrag geben. Aber so weit bin ich selbst noch nicht. Auch das Federbein ist für mich zur Zeit noch ein Buch mit 7 Siegeln.


    Hier gab es mal nen Link, wo man die Federn berechnen kann, da wurden Härtere empfohlen.

    Meintest du den hier? ... :D ...


    http://racetech.com/ProductSea…RR%20Fire%20Blade/2008-11

    ... remember the times, when sex was safe and bikes were dangerous?

    9 Mal editiert, zuletzt von erixx ()

  • Vielen Dank, das war eine sehr komplexe und hilfreiche Antwort. Demnach kann ich die Originalfedern ja erstmal behalten und in ein Sortiment aus Gabelölen investieren. ;-) Die Gabel ist jetzt 40Tkm gelaufen, werde sie also erstmal anständig reinigen und die Gleitbuchsen wechseln. Das bringt sicher schonmal was. Dann kann ich anfangen, mit dem Öl zu spielen. Danke für den Denkansatz.

  • Wilbers liefert m.W.n. notfalls auch Eintzelfertigung von Federn... nicht so teuer wie es sich anhört.


    Ich persönlich bin kein Freund von sehr kleinen Luftkammern, eine zu stark ansteigende Progression zum Ende des Federwegs passt nicht mehr zur Dämpfercharakteristik, denn Dämpfung und Federrate hängen nun mal zusammen.
    Ich persönlich würde es in dem Fall mit einer Feder um 11,5 und einem 7,5er Motul Sythetiköl versuchen, LK zuerst um 100mm.
    Danach eben Feintuning der LK und erst notfalls der Druckstufen- und Middlespeedshims.


    Erich: Ganz zu sollten Dämpfersteller möglichst nicht gefahren werden, das hat bestimmte Nachteile für den Ölfluss weil der parallele Weg des Öls durch die Bohrungen damit quasi ausgeschaltet wird. Wenn du mit 5er Öl nicht anders hinkommst, 7,5er versuchen oder 5+7,5 mischen.
    Oder natürlich, die Shims entsprechend anpassen......dann aber auch die des Middlespeed-Kolbens.
    Ich würds erstmal mit dem Öl versuchen.

    Eines Tages glaubte ein Koyote entdeckt zu haben, dass er nur lange genug heulen müsse um den Vollmond zu besiegen.... (keine alte Indianerweisheit sondern eher eine Erkenntniss des internet-Zeitalters)

  • Ich würde nicht nur an Hardware sondern auch an Fahrer und Fahrstil denken. Sanfter fahren ist manchmal schon der richtige Weg um die vorhandenen Komponenten richtig zu nutzen. Bei deutlich über 100 kg sicher nicht mehr aber bei 60-80 kg nach meiner Ansicht möglich.


    Gruß
    G.A.C.O.
    und nur mal so als Denkanstoß